Insektenburger von Bugfoundation von Stiftung Warentest verzehrt

Seit April 2018 ist „Deutschlands erster Insektenburger“ vom Osnabrücker Startup Bugfoundation auf dem Markt. Die Stiftung Warentest hat dies zum Anlass genommen, um die Tiefkühl-Burgerpattys aus Buffalowürmer genauer unter die Lupe zu nehmen und kommt zu folgendem Fazit: „Mutig sein und einfach mal probieren – Die Buffalowurm-Bulette ist geschmack­lich vergleich­bar mit vegetarischen Fleisch­ersatz­produkten. Der Tiefkühl-Patty hat eine gute Nähr­stoff­zusammenset­zung und ist durch­aus eine Alternative zur klassischen Rind­fleisch­version.“

Wie kommt man auf so eine Idee?

Die Gründer und Best-Friends von Bugfoundation, Baris Özel und Max Krämer, vernaschten auf einer gemeinsamen Weltreise in Südostasien zum ersten Mal Insekten. Manches davon war lecker, anderes wiederum nicht. Dieses Erlebnis hielten die beiden weiterhin im Hinterkopf, als Max sich in seiner Bachelorarbeit mit den gesundheitlichen und ökologischen Vorteilen von Insekten im Vergleich zu Rindfleisch beschäftigte. Für ihn und Baris lag es damit nahe, mehr daraus zu machen und im Februar 2014 Bugfoundation zu gründen. Das Ziel war klar: Insektenburger in Europa zum Alltag machen. An diesem Ziel arbeiteten die beiden von ihrer WG heraus ein paar Stunden die Woche.

Gründer von Bugfoundation Boris Oezel und Max Kraemer © Joerg Sarbach

Wie ging es dann mit Bugfoundation weiter?

Im nächsten Schritt mieteten sich die beiden in einem Bremer Kochlabor ein, um dort an schmackhaften Insektenrezpeten zu basteln. Als beide merkten, dass das nicht so einfach war, meldeten sie sich beim Deutschen Institut für Lebensmittelforschung und stießen auf reges Interesse. Gemeinsam wurden 300.000 Euro europäische Fördermittel des Food 2020 Programms eingeholt und mehrere internationale Forschungsprojekte auf der gesamten Wertschöpfungskette durchgeführt. So konnte die Grundlagen für die Vermarktung und den rechtlichen Rahmen gelegt werden.

Oktober 2015 wurden dann die ersten Insektenburger in Belgien verkauft und im Juli 2017 folgte die Niederlande, direkt flächendeckend in zehn Städten. Aber warum nicht in Deutschland? Grund hierfür war die Novel Food Verodnung, die regelt, welche Lebensmittel verkauft werden dürfen. Als sie geschrieben wurde, waren Insekten als Lebensmittel für den Menschen noch nicht aktuell. Im Januar diesen Jahres wurde dann nachgebessert und seit April 2018 können die speziellen Burger-Pattys nun in bestimmten Rewe-Märkten, vor allem in Bayern, aber auch in Bremen oder Aachen erworben werden. Weitere deutsche Großstädte sind in Planung.

Wie werden die Pattys produziert und was kosten sie?

Der Produktionsstandort befindet sich in den Niederlanden, in der Nähe von Den Haag, die Larven wachsen in Ermelo heran. Die Züchtung dauert vier bis sechs Wochen, bis die Insekten langsam heruntergekühlt werden und wie in der Natur bei Temperatursenkung einschlafen. Da es für die Insekten ganz normal ist, auf kleinem Raum zusammenzuleben, handelt es sich hier um keine Massentierhaltung und die Produktionskosten sind vergleichsweise gering. In einem Burger-Patty werden dann, je nach Bulettengröße, zwischen 300 und 1.000 Buffalowürmer im Frühstadium fein gehackt verarbeitet. Das Braten erfolgt dann zu Hause im Ofen oder in der Pfanne. Das Tiefkühl-Patty-Duo kostet 5,99 Euro bei ca. 200 Gramm Eigengewicht.

Wie lässt sich der Geschmack beschreiben und wie gesund ist er wirklich?

Neben Buffalowürmern und Sojaprotein enthält der Patty noch Rapsöl, Zwiebeln, Tomatenmark, Sojasoße, Senf, Salz und Gewürze. Stiftung Warentest stellt fest, dass der Patty auch kräftig würzig nach all diesen Zutaten, außerdem nach Brühe, richt und schmeckt. Zudem schmeckt er leicht nussig. Ansonsten erinnert der Patty weder äußerlich noch geschmack­lich an die Insekten­zutat.

Der Insektenburger ist reich an Protein und ungesättigten Fettsäuren. 100 Gramm Insektenburger haben 268 Kilokalorien und rund 18 Gramm Fett. Das ist zwar mehr als bei einer Bulette aus Rind­fleisch, der höhere Fett­gehalt liegt aber auch an dem zugesetzte Rapsöl, das als sehr gesundes Speiseöl gilt. Im Vergleich zum Rindfleischburger enthält der Insekten-Patty wesentlich weniger unerwünschte gesättigte Fett­säuren und dafür viele gute ungesättigte. Zudem beinhaltet er ähnlich viel Eisen und ist ballast­stoff- und sehr eiweiß­reich: Ein Patty besteht zu 20% aus Eiweiß und zu 6% aus Ballast­stoffen.

Was steht bei Bugfoundation zukünftig an, besteht Interesse an Investoren?

Für Max und Baris hat ein gesundes, selbstfinanziertest und stabiles Wachstum oberste Priorität. Eine nationale Listung im Supermarkt lehnten die beiden darum auch ab und beteuern ganz in Ruhe und ohne Eile vorgehen zu wollen. Dagegen spricht allerdings nicht, weiteres Personal einzustellen und neue Produkte ins Sortiment aufzunehmen. Was genau es wird, lassen die beiden noch offen. Voraussichtlich Ende diesen Sommers sollen aufgrund der regen Nachfrage aber Gastro-Betriebe hinzukommen.

Bugfoundation im StartupSpot NordWest