Bremer Startup „Flipcar“ verzichtet auf 500.000 Euro-Deal

In der Ausstrahlung des erfolgreichen TV-Formats „Die Höhle der Löwen“ vom 8.10.19 pitchten Okan Gürsel und Sven Gunkel das Bremer Startup Flipcar. Mit ihrer Handy-App ermöglichen sie die private Anmietung von Mietwagen für nur einen Euro. Wie das ganze funktioniert und warum Flipcar für 500.000 Euro lediglich 10% seiner Unternehmensanteile abgeben will, erläutern Okan und Sven in ihrem Pitch.

„Ich weiß, das Ganze klingt viel zu schön, um wahr zu sein. Ist es aber“, erläutert Okan das clevere Geschäftsmodell. Für Mietwagenfirmen sind Einwegmieten teuer und zeitaufwändig. Fahrzeuge müssen dafür von einem Ort zum anderen überführt werden, was zumeist durch Dienstleister-Firmen geschieht. Anstatt einen Dienstleister für diese Fahrten zu bezahlen, sollen die Flip-Car-Kunden die Autos überführen. Dafür erhält das Startup 25 Euro pro Fahrt von den Autovermietungen sowie einen Euro von den Mietern. Damit ergibt sich für beide Seiten eine „Win-Win-Situation“. Zudem wird ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, weil unnötige Leerfahrten vermieden werden, meinen Okan und Sven.

Die 500.000 Euro-Verhandlung

Flipcar kooperiert zwar mit den Verleihern Buchbinder und Europcar, hatte zum Zeitpunkt der TV-Aufnahme aber kaum Umsätze. Den Unternehmenswert von 4,5 Millionen Euro erklärt Okan im Wesentlichen mit der Zusicherung des drittgrößten Autovermieters von 50.000 Fahrten pro Jahr. Die Löwen stört aber ein anderer Aspekt: 90 Prozent der Firmenanteile liegen bei Drivo GmbH. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein Startup, das von Okan und Sven gegründet wurde, das mittels Handy-App den Fahrstil von Autofahrern verbessern soll. Genau dieses Technik soll bei Flipcar zum Einsatz kommen, um die Fahrleistung der Mieter für die Mietwagenfirmen besser einzuschätzen zu können. „So kann man auch Fahrer, die immer schlecht fahren, nach ein paar Fahrten ausgrenzen“, sagt Okan.

Dieser Aspekt kommt allerdings bei den Löwen nicht so gut an. Sie stört, dass Flipcar auf die Technik von Drivo angewiesen ist. Zudem hält Drivo aktuell 90 Prozent der Anteile und hätte im Notfoll keine finanziellen Ressourcen, um Flipcar zu unterstützen. Die Schlussfolgerung: Vier von fünf Investoren sagen ab. Lediglich Georg Kofler macht ein Angebot und fordert für 500.000 Euro dreißig Prozent der Firmenanteile, nachverhandeln will er nicht. Das ist zu wenig für die beiden Bremer und sie schlagen den Deal aus.

Von der Absage der Löwen haben sich Sven und Okan nicht entmutigen lassen. Nach der Aufzeichnung im Frühjahr haben die beiden zwei Bremer Investoren gefunden.